Was ist das Leben? (1)

Es ist sieben Uhr morgens. Ein sommerliches Licht scheint durch die Ritzen der Jalousien, und durch das gekippte Fenster dringen die Geräusche des vor kurzem erwachten Strassenverkehrs herein. Der Tag hat begonnen. Ich sitze vor dem Laptop, in Gedanken flüchtig die für heute geplanten Aktivitäten durchgehend, überlege, was es ist, das mir auf dem Herzen brennt – wäre da nichts, dann wäre ich jetzt nicht so hellwach. Schliesslich sind Semesterferien… Doch was ist es? Eine unauflösliche Spannung durchzieht mich. Ich merke: Etwas nimmt seinen Lauf. Es brodelt schon seit längerer Zeit in mir, entzieht mir immer wieder stundenweise die Fähigkeit, mich nachts zur Ruhe zu legen. Wiederholt unternehme ich den Versuch, meiner Faszination über dieses Gefühl gegenüber Freunden Ausdruck zu verleihen:

„Kennst du das, wenn du in der Nacht einfach so dasitzt und du denkst dir nur: Das Leben ist viel zu aufregend, als dass ich jetzt schlafen könnte!“

Diese unbeholfene Schilderung ist keineswegs aus einem ausserordentlich vollbeschäftigten Dasein gesprochen. Mein Leben ist nicht aufregend, weil ich heute an einem Meeting in Dubai bin und morgen die Nobelpreisverleihung moderiere. Es ist noch nicht einmal so, dass ich mit zahlreichen Menschen in Kontakt stünde oder in sonderlich viele Aktivitäten verwickelt wäre. Nein, es ist etwas Anderes. Tiefer. Und ich muss es suchen, danach graben. Schlafen kann ich nicht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s