Wenn auf dem Wasser

Lass mich meinen Fuss dorthin bewegen
wohin ich Dich, mein Meister, gehen sehe
Ich will Dir folgen lang der schmalen Stege
Mit Dir weit aussen auf dem Wasser sein.

Stets dort, wo mir der Grund am tiefsten scheint
da wendest Du Dich um, fragst: „Willst du gehen?“
Es fröstelt mich. Du gibst mir zu verstehen:
Die Wahl ist mein, doch bin ich nicht allein.

Das Wasser tanzt, und meine Angst schwillt an.
Doch wank‘ ich nicht, denn wer nicht schwimmen kann
vertraut, dass diese Bretter nicht zergehen.
Und mitten in dem Blau weckt mich ein Wehen:
Das ist die reine Luft, der süsse Duft, für Den ich kam.

 

Zur Entstehung
Die Sonne spendet der Wasseroberfläche, die ihr zu Füssen liegt, ihren Lichtglanz; und der Vater des Lichts füllt unsere Herzen mit Erkenntnis, wenn wir vor Ihm ausharren und Sein Angesicht suchen. Erkenntnis über Sich, über uns selbst und über die Reise der Nachfolge – so, wie ich sie beim Verfassen dieses Gedichts gewann.
Die ersten beiden Verse fanden ihren Weg zu mir völlig spontan während eines kurzen Gebetes. Als ich sie niederschrieb, erkannte ich, wie treffend das Thema darin bereits ausgeführt war: Durch die dicht aufeinanderfolgende Wiederholung gleichklingender Laute (mich – meinen; bewegen – wohin; mein Meister; gehen – sehe) zeichnet sich das Motiv der Nachfolge und Nachahmung auch sprachlich ab. Und darum sollte es in dem Gedicht, welches ich aus den zwei Versen zu entwickeln gedachte, auch gehen: Es sollte ein Gebet sein um die Sehnsucht nach einem Lebenswandel, der ganz davon durchdrungen ist, Jesus, unseren Meister, in allen Dingen nachzuahmen und Seinem Ruf zu gehorchen.

Doch die „Wende“ trat mit dem Reim ein. Welche originellle Endung könnte man „bewegen“ gegenüberstellen? Am sinnvollsten erschien mir „Stege“. So entstanden die nächsten beiden Verse. Sie gaben dem Gedicht jedoch eine ganz neue Färbung. War es das wirklich, was ich hatte zum Ausdruck bringen wollen? „Weit aussen auf dem Wasser“ sein zu wollen mit Jesus – was steckt hinter einer solchen Metapher?
Im ersten Moment mutete der Vers beinah etwas vorlaut an. Er hatte den Geschmack eines: „Ich will hoch hinaus und Grosses erleben!“ oder sogar eines zu selbstsicheren: „Für Dich gehe ich überall hin!“
Doch da eröffnete mir der Herr eine andere Perspektive.

Es ist kein Geheimnis, dass ich in der Umgebung tiefer Gewässer zu einer gewissen Übervorsicht neige. Das beschriebene Bild des Gehens auf einem schmalen Steg, welcher seinen Arm weit ins offene Wasser streckt – bei mir persönlich löst diese Vorstellung eher Stress und Angst aus. Ich komme auf solchen Stegen, wenn sich das Betreten denn nicht irgendwie vermeiden lassen konnte, nur langsam voran. Denn was, wenn ich auf dem schwindelerregend engen Boden das Gleichgewicht verlöre? Oder wenn das Holz oder Metall unter mir plötzlich nachgäbe?
Und da verstand ich, wovon dieses Gedicht handeln sollte: nicht von Nachfolge im Allgemeinen, sondern vielmehr von einem ganz besonderen Aspekt der Jüngerschaft.

Es geht um die Punkte im Glauben, an die man gelangt und zu einer Entscheidung gezwungen ist. Man wird konfrontiert mit einer Angst, die tief sitzt, einer „bequem“ gewordenen Sünde oder sieht sich gedrängt, genau das loszulassen, woran das Herz doch so sehr hängt. Option eins: zurück aufs Festland. Option zwei: dem ungemütlichen Pfad entlang, hinaus ins schmerzlich Ungewisse.

Um hier nicht zu lehren oder die Textlänge ausufern zu lassen (haha), möchte ich gerne eine Bibelstelle zitieren, die genau das enthält, was ich zu thematisieren suchte.

 Johannes 6; 54-69 NGÜ
54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn an jenem letzten Tag auferwecken.
55 Denn mein Fleisch ist die wahre Nahrung, und mein Blut ist der wahre Trank.
56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.
57 Der Vater, der lebendige ´Gott`, hat mich gesandt, und ich lebe durch ihn. Genauso wird auch der, der mich isst, durch mich leben.
58 Das ist also das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Bei diesem Brot ist es nicht wie bei dem, das die Vorfahren gegessen haben. Sie sind gestorben; aber wer dieses Brot isst, wird ewig leben.«
59 Diese Dinge sagte Jesus, als er in der Synagoge von Kafarnaum lehrte.
60 Empört sagten viele seiner Jünger: »Was er da redet, ist eine Zumutung! Wie kann man von jemand verlangen, sich so etwas anzuhören?«
61 Jesus war sich bewusst, dass die Jünger über seine Worte empört waren. »Daran nehmt ihr Anstoß?«, fragte er sie.
62 »Und ´was werdet ihr sagen,` wenn ihr den Menschensohn in den Himmel zurückkehren seht, dorthin, wo er vorher war?
63 Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch ist dazu nicht fähig. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben.
64 Aber es sind einige unter euch, die glauben nicht.« Jesus wusste nämlich von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wusste auch, wer es war, der ihn verraten würde.
65 Er schloss mit den Worten: »Aus diesem Grund habe ich zu euch gesagt: Niemand kann von sich selbst aus zu mir kommen; es kann nur durch das Wirken des Vaters geschehen.«
66 Von da an zogen sich viele seiner Jünger von ihm zurück und begleiteten ihn nicht mehr.
67 Da fragte Jesus die Zwölf: »Wollt ihr etwa auch weggehen?« –
68 »Herr, zu wem sollten wir gehen?«, antwortete Simon Petrus. »Du hast Worte, die zum ewigen Leben führen,
69 und wir glauben und haben erkannt, dass du der Heilige bist, den Gott gesandt hat.«

Quelle: https://www.bibleserver.com/text/NG%C3%9C/Johannes6, 13.08.2017, 11:14

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